Home > Drone & Data Aid – Mit Drohnentechnologie gegen COVID-19 und dessen wirtschaftliche Folgen in Malawi

Drone & Data Aid – Mit Drohnentechnologie gegen COVID-19 und dessen wirtschaftliche Folgen in Malawi

Hintergrund

Wie viele Länder des globalen Südens leidet auch Malawi unter erheblichen infrastrukturellen Problemen. Besonders betroffen sind rechtzeitige Lieferungen medizinischer Güter in entlegene Regionen. Viele Gesundheitszentren in ländlichen Gegenden erhalten lediglich eine Medikamentenlieferung pro Monat, und das in unregelmäßigen Intervallen. Dies führt zu häufigen Fehlmengen und „Notfallbestellungen“ beim Distriktkrankenhaus. Am größten sind die Engpässe in der Regenzeit, in der es einerseits zu einer Zunahme bestimmter Krankheiten wie z.B. Malaria kommt, andererseits aber viele Straßen über Wochen unpassierbar sind. Ein weiteres Problem: Wegen der schlechten Infrastruktur warten Patienten regelmäßig tage- oder gar wochenlang auf die Untersuchung ihrer Blut-, Gewebe- oder Speichelproben – Tage oder Wochen, in denen sie unter Umständen falsch oder gar nicht behandelt werden.

Die Corona-Pandemie strapaziert das ohnehin schon angespannte Gesundheitssystem Malawis noch zusätzlich und droht Erfolge zu untergraben, die in Bereichen wie HIV, Tuberkulose, Malaria und reproduktive Gesundheit in den letzten Jahren erzielt werden konnten.

Ziele & entwicklungspolitische Wirkung

Wingcopter, die GIZ und UNICEF Malawi haben es sich im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums zum Ziel gesetzt, die Gesundheitsversorgung in Malawi durch den Einsatz selbständig fliegender Lieferdrohnen zu verbessern und die Auswirkungen der Corona-Krise abzuschwächen. Drohnen ermöglichen die verlässliche Lieferung dringend benötigter Medikamente, Test-Kits oder auch Impfstoffe. Lieferengpässe können so reduziert oder ganz verhindert werden, die Analyse von Proben wird enorm beschleunigt. Zudem besteht die Möglichkeit kontaktloser Lieferungen, sodass die Gefahr einer Verbreitung des COVID-19-Virus durch Lieferboten ausgeschlossen wird.

Die Technologie wurde im Pilotprojekt „Deliver Future“ bereits erfolgreich bei 270 Lieferflügen eingesetzt, mit denen rund 100 Kilogramm medizinischer Güter vom Kasungu Distriktkrankenhaus an drei Gesundheitszentren im Umkreis von 40 Kilometern geliefert wurden. Dabei konnte eine Verringerung der „stock-out days“ um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erzielt werden.

Umsetzung

Zunächst werden die Projektpartner den Drohnenlieferdienst im Distrikt Kasungu wieder aufnehmen und auf weitere abgelegene Gesundheitszentren ausweiten, um das lokale Gesundheitssystem in der Begegnung der Pandemie zu unterstützen. Durch die geplanten Aktivitäten können rund 115.000 Menschen von den bereitgestellten Leistungen des Projektes profitieren.

Um das Potenzial der Drohnentechnologie optimal nutzen zu können, konzentrieren sich die Projektpartner verstärkt auf Weiterbildungsangebote für lokale Expertinnen und Experten im Rahmen der African Drone & Data Academy. In enger Zusammenarbeit mit Universitäten wird ein Lehrplan entwickelt und umgesetzt, der junge Menschen dazu befähigt, Drohnen zu bauen, zu steuern und die so gewonnenen Daten der Drohnen zu analysieren.

Im weiteren Verlauf des Projekts wird ein ausgedehntes Drohnennetz aus mehreren zentralen “Hubs”, von denen aus medizinische Produkten an entlegenere Gesundheitszentren geliefert werden, in die bestehenden Abläufe integriert. Neben dem Transport medizinischer Güter soll die Drohnentechnologie dabei helfen, automatisch Luftbilder zu erstellen und damit Gebäude, Schulen, Straßen, Latrinen, Brunnen oder Schädlingsbefall in der Landwirtschaft und vieles mehr zu erkennen. Mit den gewonnenen Daten können beispielsweise bessere Vorhersagen zu Krankheitsausbrüchen gemacht, Fortschritte im Bereich der Ernährungssicherung erzielt oder Entscheidungen zur Investition in dringend notwendige Infrastruktur getroffen werden.