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  • 25.10.2018
  • 18:30 Uhr - 21:00 Uhr
  • GIZ Repräsentanz Berlin
  • Lokale Innovation

Digital Kontrovers! #6 – Drohnen-Technologie

Podiumsdiskussion "Digital Kontrovers! #6" in der GIZ Repräsentanz, Thema: Drohnen – Freundliche Helfer oder dreiste Spione? Berlin, 25.09.2018 © GIZ / Reinaldo Coddou H.

Report: “Afrika ist zum Ort geworden, um Drohnen als ‘gute’ Technologie zu legitimieren.”

Drohnen-Technologie und Entwicklungsländer im Disput

Drohnen-Technologie und Entwicklungsländer: Wer sich mit diesem Thema beschäftigt, den übermannen im Internet rührende Bilder und Geschichten aus Afrika, wie Drohnen Medikamente, Blut und Hilfsgüter in letzter Minute liefern und damit Menschenleben retten. Drohnen werden zu neuen Heilsbringern in einer Welt von Armut, schlechter Infrastruktur und ländlich geprägtem kargen Leben stilisiert. Sie retten Babys. Sie retten Mütter. Sie retten Tiere vor dem Sterben. Sie sind die Lösung.

Es brauchte nur wenige Minuten an diesem Abend bei Digital Kontrovers!, das sich in der 6. Auflage ganz dem Thema Drohnen-Technologie verschrieben hatte, bis die Friedensforscherin und Rechts-Professorin von der Universität Oslo, Kristin Sandvik, dieses Bild mit ihren entschiedenen und temperamentvollen Statements vor aller Augen zerstörte.

Drohnen-Technologie weltweit mit schlechtem Ruf

Sie wandte sich massiv gegen die Art und Weise, wie die Drohnenindustrie ein Bild von Afrika als geeignetem Testgrund für die Entwicklung “guter Drohnen” zur Lösung der Probleme des Kontinents konstruiere und die Drohnen damit salonfähig auch in anderen Teilen der Erde machen wolle. “Weltweit haben Drohnen einen schlechten Ruf”, argumentierte sie.  “Neben den Kontroversen um die Drohnenkriege werden Drohnen in der Regel als Technologien wahrgenommen, die einer Reihe von Risiken unterliegen – von Pilotenfehlern bis hin zu mechanischem Versagen, Cyberangriffen und schlechtem Wetter.”

Das Ergebnis sei ein sehr eingeschränkter Zugang zum zivilen Luftraum. “Daher besteht für die Drohnenindustrie ein erheblicher ungedeckter Bedarf, die Technologie zu testen und zu verbessern. Die mangelnde Infrastruktur des afrikanischen Kontinents ­– einschließlich Stromleitungen, Luftraumkontrolle und kommerzielle Flüge – ist für die Drohnenindustrie attraktiv. Der Luftraum ist weniger überfüllt, was die Einführung kommerzieller Drohnen in Nordamerika und Europa gebremst hat”, erläuterte sie weiter.

Afrika sei zum Ort geworden, an dem Drohnen als “gute” Technologie legitimiert werden sollen. Damit hätte sie große Probleme, u. a. weil die Drohnen-Technologie auch eine “kriegerische” Seite habe.

© GIZ / Reinaldo Coddou H.

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Vorteilen für Afrika durch Drohnen-Technologie

Die Unternehmensberaterin Tendai Pasipanodya, Direktorin bei Endeva, Independent Research and Consulting Institute, Berlin wollte sich dieser Argumentation nicht anschließen. Sie sprach im Laufe der Diskussion vor allem immer wieder von den Vorteilen, die die Drohnen-Technologie für Afrika böte. Tendai Pasipanodya ist überzeugt, dass Drohnen heute für Afrika die gleiche Chance bieten, wie die Mobilfunktechnologie dem Kontinent vor 15 Jahren bot. Aber momentan müsse noch jeder Unternehmer, der Drohnen einsetzen wolle, über das Fachwissen und die finanziellen Mittel verfügen, die für die Entwicklung, Wartung und den Betrieb eines kompletten Drohnensystems erforderlich seien. Tendai plädiert deshalb für den Aufbau eines Drohnen-Netzwerks, das es lokalen Unternehmern ermöglicht, Waren und Dienstleistungen per Mausklick oder SMS in entlegenste Gebiete zu liefern und dabei auch wichtige soziale Wirkungen zu erzielen. Sie sehe in der Anwendung der Drohnen-Technologie keine größeren Probleme, vor allem, wenn sie in lokalen Händen blieben.

Wissenschaftliche Begleitung der Drohnen-Technologie notwendig

Die Drohnen werden vieles verändern, auch den Einsatz von Gewalt auf dem afrikanischen Kontinent, prognostizierte dagegen Kristin Sandvik. Ein zentrales Anliegen in der globalen Debatte über Drohnen ist, dass sie militärische Aktionen vorantreiben und die Schwelle für den Einsatz tödlicher Gewalt senken können. Selbst beim Überwachungseinsatz im Tierschutz in Afrika hätten sie letztlich schon zu Gewalt geführt. Kristin Sandvik plädierte deshalb dafür, die Entwicklungen in Afrika genau zu verfolgen und auch wissenschaftlich zu begleiten, sowohl im lokalen Kontext als auch in einer breiteren panafrikanischen Perspektive.

Möglichkeiten bei der Kartierung, Beobachtung und Überwachung

Der entwicklungspolitische Zwischenruf zum Thema Drohnen kam dann von Manuel Marx von der GIZ. Er erläuterte, dass sich von den 380 Digital-Projekten des BMZ insgesamt 16 mit dem Thema Drohnen beschäftigten. Als “Flying-Tools” untersuche man dabei zuallererst ihre Möglichkeiten bei der Kartierung, Beobachtung und Überwachung. So laufe ein interessantes Projekt in Vietnam zur digitalen Küstenbeobachtung zum Schutz vor Fluten und Stürmen. In Tansania teste die GIZ u. a. eine Transportdrohne für schnelle medizinische Hilfslieferungen.

Die via Slido eingespielten Publikumsfragen, der von Moritz Hunger (GIZ) kundig moderierte temperamentvolle Veranstaltung, richteten sich am Schluss vor allem auf das Gegenüber von Drohnen und Arbeitsplatzschaffung bzw -vernichtung in Afrika oder wie man lokale Interessen gegen den Einfluss der Monopol-Player aus Silicon Valley sichern könne.

Einig war sich das Publikum am Schluss auch, dass Drohen nützliche Helfer bei mangelnder Infrastruktur in den afrikanischen Weiten sind, dass sie aber die notwendige Schaffung von Infrastruktur nicht ersetzen könnten und vor allem sollten.

Picture 1/4: Podiumsdiskussion "Digital Kontrovers! #6" in der GIZ Repräsentanz, Thema: Drohnen – Freundliche Helfer oder dreiste Spione? Berlin, 25.09.2018 © GIZ / Reinaldo Coddou H.
Picture 2/4: Podiumsdiskussion "Digital Kontrovers! #6" in der GIZ Repräsentanz, Thema: Drohnen – Freundliche Helfer oder dreiste Spione? Berlin, 25.09.2018 © GIZ / Reinaldo Coddou H.
Picture 3/4: Podiumsdiskussion "Digital Kontrovers! #6" in der GIZ Repräsentanz, Thema: Drohnen – Freundliche Helfer oder dreiste Spione? Berlin, 25.09.2018 © GIZ / Reinaldo Coddou H.
Picture 4/4: Podiumsdiskussion "Digital Kontrovers! #6" in der GIZ Repräsentanz, Thema: Drohnen – Freundliche Helfer oder dreiste Spione? Berlin, 25.09.2018 © GIZ / Reinaldo Coddou H.

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