Start > Praxis > Konzeption und Entwicklung > App – eine Lösung für alle Fälle?

Praxis

App – eine Lösung für alle Fälle?

© BMZ

Smartphones sind heute weltweit verbreitet. Auch in Entwicklungsländern steigt ihre Zahl kontinuierlich und rapide an. Vor diesem Hintergrund sind Apps auf den ersten Blick eine besonders komfortable, günstige und effektive Möglichkeit, unterschiedliche Informationen an Zielgruppen zu übermitteln und ihnen eine große Zahl wichtiger Dienstleistungen zu bieten.

Viele Verantwortliche von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit stehen vor der Herausforderung, eine App zu entwickeln. Oft wird dies von Partnerinnen oder Partnern bzw. Auftraggeberinnen oder Auftraggebern explizit gefordert.

Die Entwicklung einer App wird dabei häufig zum Ausgangspunkt des Projekts gemacht, statt sie als Mittel zum Erreichen der Projektziele zu betrachten. Diese Konzentration auf die Entwicklung birgt die Gefahr, dass die Anwendung nicht oder nur wenig zur Lösung des eigentlichen Entwicklungsproblems beiträgt. Auch ist die professionelle Umsetzung einer App für sich genommen schon eine große Herausforderung.

Folgender Leitfaden soll als Entscheidungs- und Argumentationshilfe dienen, um das Für und Wider einer App abzuwägen. Der Leitfaden dient dabei lediglich der groben Orientierung. Blaupausen kann und sollte es aufgrund der hohen Kontextabhängigkeit nicht geben.

Schritt 1: Zielklärung

Bevor die technischen Voraussetzungen für die Entwicklung einer App geklärt werden, sollten zunächst grundsätzliche Fragen zu Rahmenbedingungen und Kontext des App-Einsatzes beantwortet werden, beispielsweise:

  • Welchen konkreten Beitrag soll die App leisten, um das Projektziel zu erreichen?
  • Welche Verbesserung bringt die App der Zielgruppe (mehr Information, Verbesserung von Geschäftsprozessen oder Ähnliches)?

Nach näherer Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen ist die mobile Applikation eventuell doch nicht das Mittel der Wahl, sondern ein anderes digitales Tool.

Schritt 2: Analyse der Digital Readiness

Im Kern geht es bei der Analyse der Digital Readiness darum, ob die gewählte Technologie und die anvisierte Nutzerinnen- und Nutzergruppe überhaupt zusammenpassen. Dazu beantwortet sie Fragen wie:

  • Verfügt die Zielgruppe (oder gegebenenfalls nur ein Teil von ihr) über Zugang zu Smartphones? Oder sind eventuell SMS oder Voicemail die bessere Wahl?
  • Welche Nutzungsmuster bestehen bei der Gruppe?
  • Welche digitalen Kompetenzen können vorausgesetzt, welche müssen eventuell noch vermittelt werden (E-Literacy, E-Skills)?

Schritt 3: Synergien nutzen

Ist der Mehrwert der App und ihre Relevanz für die Zielgruppe eindeutig beschrieben, lautet die nächste Frage:

  • Existieren schon mobile Lösungen oder mobilbasierte Dienste, auf die aufgebaut werden kann, sodass die Anwendung nicht von null entwickelt werden muss? Der Blick sollte hier ebenfalls auf die Open-Source-Gemeinde gerichtet werden.

Auch Expertinnen- und Expertennetzwerke können Hinweise auf ähnliche, bereits bestehende Lösungen geben. Weitere nützliche Quellen sind das Mobile for Development Impact product and services directory der Groupe Speciale Mobile Association (GSMA) und der NOMAD selection assistant.

Ergab die Recherche nach mobilen Anwendungen mit ähnlicher Zielsetzung kein Ergebnis, lohnt ein Blick auf die digital principles und in das Handbuch Integrating Mobiles into Development Projects von USAID, um die nächsten Planungsschritte zu bestimmen.

Schritt 4: Realistischer Ressourceneinsatz

Gibt es keine bereits bestehende mobile Lösung, muss die App komplett neu entwickelt werden. Dabei gilt es, den Mittelaufwand realistisch einzuschätzen. Die Programmierung der App ist auf den ersten Blick zwar der offensichtlichste Kostenfaktor, jedoch bei Weitem nicht der einzige. Zusätzliche Kosten können zum Beispiel für Marktanalyse, Testphasen, Design, Wartungsarbeiten, Weiterentwicklung, Hosting sowie Trainingsmaßnahmen entstehen.

Schritt 5: Entwicklung eines Betriebskonzepts

Das Betriebskonzept beschreibt alle zur Administration der zukünftigen Anwendung notwendigen Anforderungen auf technischer, organisatorischer und somit auch finanzieller Ebene. Es informiert über Verantwortlichkeiten, routinemäßige Wartungsarbeiten, Back-ups und das Sicherheitskonzept. Es definiert die Betriebskosten (siehe Schritt 4) und stellt sicher, dass alle Aktivitäten und die dazu benötigten Ressourcen identifiziert und richtig zugeordnet sind.

Zeigt sich hier, dass die zu erwartenden Kosten den prognostizierten Nutzen übersteigen, muss an dieser Stelle ein vorzeitiger Projektabbruch erwogen werden. Ein Abbruch ist unter Umständen sinnvoller als eine halbherzige Umsetzung des bestehenden Konzepts.

Schritt 6: Technische Umsetzung

Für die Planung der technischen Umsetzung bieten Ihnen die folgenden Fragen eine erste Orientierung:

Diese Seite verwendet Cookies, um Ihnen die beste Nutzungserfahrung auf unserer Website zu bieten. Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, oder Ihre Cookie-Einstellungen ändern möchten, klicken Sie bitte hier.