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Praxis

Offene Daten

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WAS SIND OFFENE DATEN?

Offene Daten sind Daten, deren Zugang, Nutzung, Weiterverbreitung und -verwertung frei sind. Sie sind keine personenbezogenen Daten, sondern in der Regel Verwaltungsdaten wie Statistiken, Geburten- und Sterberegister, Umwelt- und Wetterdaten, Transport- und Verkehrsdaten, Finanzdaten, Protokolle, Gesetze, Urteile und vieles mehr. Es sind also Datenbestände, die von öffentlichem Interesse und potenziellem Nutzen sind. Sie sorgen für Transparenz, mehr Teilhabe und Wissen sowie soziale und ökonomische Wertschöpfung. Offene Daten können zu mehr Demokratie, Transparenz, Partizipation und Kooperation, besserer Rechenschaftslegung, mehr Effizienz, Effektivität und Wirtschaftlichkeit, zur Korruptionsbekämpfung und Wissensgenerierung beitragen. Bedingung dafür ist neben Infrastruktur, Kompatibilität, Technologie und verfügbaren Daten auch ein kultureller Paradigmenwechsel, der auf Transparenz, Partizipation und Kooperation basiert.

WARUM SOLLTEN DATEN OFFEN SEIN?

Der Nutzen von offenen Daten ist aus politischer, gesellschaftlicher, administrativer, volkswirtschaftlicher und wissenschaftlicher Sicht groß. Sind Datensätze verfügbar, können sie von Bürgerinnen und Bürgern, Nichtregierungsorganisationen, Datenjournalistinnen und -journalisten, Unternehmen und anderen gesellschaftlichen Interessengruppen zu aussagekräftigem Wissen weiterverarbeitet und als Infografik, Videoclip, interaktive Webseite, App oder andere Publikation aufbereitet und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Offenheit schafft Vertrauen. Wichtig ist, dass ein rechtlicher Rahmen vor Datenmissbrauch und Datenklau schützt.

Beispiele für den Nutzen offener Daten gibt es in vielen Sektoren: In der öffentlichen Verwaltung können durch Datenbündelung und -vernetzung Prozesse optimiert und Redundanzen abgebaut werden; Bürgerinnen und Bürger können personalisierte Informationen erhalten, bei lokalen Entscheidungsprozessen mitwirken und unter anderem überprüfen, wohin die Steuergelder fließen. Das Projekt „kleine Anfragen“ der Open Knowledge Foundation (OKF) sammelt beispielsweise automatisiert sämtliche Anfragen der Landesparlamente und des Bundestages. Die Anfragen und Antworten sind dadurch leicht auffindbar und können durchsucht und verlinkt werden. Dies ermöglicht die Erstellung einer länderübergreifenden Themenübersicht der parlamentarischen Arbeit und schafft Transparenz.

WER ÖFFNET DATEN – UND WIE?

Wie Regierungen, Verwaltungen und Organisationen ihre Datenbestände öffnen können, um im Sinne von Open Government effizient, partizipativ, transparent und rechenschaftsfähig zu sein, beschreiben zahlreiche Handbücher. Wichtig dabei ist, dass es um eine strategische Öffnung von Kommunikation, Organisation und Prozessen geht. Das ist meist ein langfristiges Verfahren, das Veränderungen der öffentlichen Verwaltung beinhaltet.

Dabei sollte man wie folgt vorgehen:

  • Ziel und Nutzergruppen aktiv einbeziehen. Sie wissen am besten, welche Datensätze interessant und relevant sind.
  • Vorab strategische Ziele formulieren (gemäß eventuell vorhandenen nationalen Open-Government-Strategien) und entscheiden, welche Datensätze als Erste zu öffnen sind.
  • Offene Lizenzen vergeben, die den Nutzerinnen und Nutzern größtmöglichen Spielraum beim Umgang mit den Daten einräumen.
  • Offene Daten möglichst als Rohdaten und in maschinenlesbarer Form zum Download anbieten.

    Empfehlung des OKF-Handbuchs: Eine Institution innerhalb der Regierung sollte während des Öffnungsprozesses die Führungsrolle übernehmen, einen Datenkatalog anlegen und diesen so strukturieren, dass viele Ministerien und andere staatliche Stellen ihre Daten einfach einstellen und aktualisieren können.

WOHER KOMMEN VERLÄSSLICHE DATEN?

Daten werden durch das „digitale Leben“ über statistische Erhebungen und Registrierungen hinaus aus unterschiedlichsten Quellen generiert. Die meisten Staaten der Welt haben sich im UN-Zivilpakt dazu verpflichtet, ihren Bürgerinnen und Bürgern öffentlich relevante Information zugänglich zu machen.

Täglich entstehen weltweit Millionen von Daten durch Internet- und Social-Media-Nutzung (soziale Netzwerke), Mobilfunk-Daten, digitale Suchanfragen, durch digitales Konsumverhalten und vieles mehr. Diese digital generierten Daten, die rasant zu großen Datenmengen (Big Data) anwachsen, gehören eigentlich jenen Bürgerinnen und Bürgern, durch deren bereitgestellte Informationen sie erzeugt werden. Bei unklaren rechtlichen Rahmenbedingungen stellt das ein Risiko für das Grundrecht auf Privatsphäre und die informationelle Selbstbestimmung dar.

Doch auch Big Data können als offene Daten für inklusive und nachhaltige Entwicklung genutzt werden. So nimmt der Trend des „Datenspendens“ unter den Unternehmen für wissenschaftliche oder Planungszwecke zu, zum Beispiel im Kampf gegen Ebola oder Malaria. Darin liegt unter anderem das Potenzial für Entwicklung: Der vielerorts vorherrschende Mangel an Daten kann durch digitale Tools und das Konzept der Offenheit behoben werden.

Open Government leistet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030: auf direktem Weg, um bestimmte Nachhaltigkeitsziele (16, 17 und 9) zu erreichen, und indirekt, um durch innovative Möglichkeiten der Datenerhe- bung Rechenschaft für die Nachhaltigkeitsziele abzulegen.