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Praxis

Freie Inhalte

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Häufig ist die Rede von offenen Inhalten, offener Software (Open Source) und dem darin enthaltenen Potenzial. Von der besonderen Nachhaltigkeit dieser Modelle kann gerade auch die Entwicklungszusammenarbeit und internationale Zusammenarbeit profitieren. Aber: Nicht immer muss dies der richtige Weg sein. Offen und frei verfügbar bedeutet außerdem nicht, dass es keine Regeln zu beachten gibt!

Der folgende Abschnitt zeigt Vor- und Nachteile auf, wenn Inhalte für die Allgemeinheit verfügbar gemacht werden. Anhand der Entscheidungshilfe unter Abschnitt 2 kann geprüft werden, ob und inwieweit Inhalte frei zugänglich gemacht werden sollten. Dazu werden Modelle vorgestellt, anhand derer sich die Entscheidung sicher und korrekt umsetzen lässt.

Nutzung und Entwicklung freier Inhalte (Content)

In vielen Projekten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit spielt das Sammeln, Erstellen und Teilen handlungsrelevanten Wissens eine Schlüsselrolle. Doch was ist bei der Nutzung, Erstellung und Verbreitung zu beachten? Warum ist es lohnenswert, Informationen frei zur Verfügung zu stellen? In diesem zweiten Teil zum Thema erhalten Sie Einblick in die wesentlichen Vorteile, Leitlinien für Ihr Vorgehen und Hinweise auf mögliche Risiken.

1. WARUM FREIE INHALTE?

Es hat viele Vorteile, gemeinsam oder allein erarbeitete Inhalte für die Allgemeinheit verfügbar zu machen. Es kann nicht nur die Wirksamkeit und die Nachhaltigkeit der Arbeit steigern. Die Erstellenden profitieren potenziell auch direkt, indem Wissen an sie zurückfließt. Dem gegenüber stehen jedoch auch Risiken, die beachtet werden müssen.

VORTEILE DER FREIEN VERFÜGBARKEIT DER EIGENEN ARBEITEN SIND UNTER ANDEREM:

  • Größere Reichweite und mehr Eigentümer dank besserer Nutzbarkeit der Inhalte durch Partner, Interessenvertreter und Dritte.
  • Werbeeffekte dank Nennung der Projektpartnerinnen und -partner in allen zukünftigen Versionen der Veröffentlichungen.
  • Beitrag zu großen Drittquellen frei verfügbarer Ressourcen, Wikipedia zum Beispiel setzt meist offene Lizenzen voraus.
  • Kostenloser Input zum eigenen Material durch Dritte, die auf offenem Material aufbauen können.
  • Geringeres Risiko von Wettbewerbsverzerrung, da alle Parteien gleich- berechtigten Zugang zum Wissen erhalten.
  • Nachhaltige Nutzung des Materials durch kommerzielle und nicht- kommerzielle Nutzung von Informationen durch Projektpartner und Interessenvertreter ist sichergestellt.

RISIKEN VON FREIEM ZUGANG ZU INFORMATIONEN IN NETZWERKEN SIND UNTER ANDEREM:

  • Geringere Kontrolle über die Verwendung des Materials durch die Urheberin bzw. den Urheber. Dieser Punkt ist besonders wichtig, wenn das Projekt nicht in unangebrachter Weise mit zukünftigen Versionen des Materials in Verbindung gebracht werden soll. Ein gutes Werkzeug ist in diesem Fall eine Ausschlussklausel (Disclaimer).
  • Urheberrecht aller genutzten Materialien muss bei der Person liegen, die die Inhalte einstellt, oder entsprechend frei verwendbar sein.
  • Qualitätsanspruch für offen angebotene Inhalte ist eventuell deutlich höher, was einen zusätzlichen Aufwand bedeutet.

2. PRÜFUNGEN UND FESTLEGUNGEN, BEVOR INHALTE FREI VERFÜGBAR GEMACHT WERDEN

Um die richtige Entscheidung treffen zu können, sollten im Vorfeld verschiedene Aspekte sorgfältig bedacht werden. Die folgende Checkliste hilft, die richtigen Fragen zu stellen.

Checkliste

Grundsätzlich gilt: Alle im Auftrag einer Kooperation entstandenen Informationsprodukte oder Standards sollten für alle Kooperationspartner gemeinsames Eigentum und für alle Interessenvertreterinnen und -vertreter frei zugänglich sein. Das Ziel sollte es sein, offenen Zugang zu Informationen und offene, gemeinsame Wissensproduktion zu ermöglichen. So entstehen gemeinsam entwickelte und neue Informations- und Wissensprodukte, sogenannte “Wissensallmende” (wie Wikipedia, Energypedia etc.).

3. MÖGLICHKEITEN ZUR FESTLEGUNG EINES ENTSPRECHENDEN KOPIERRECHTS

Um die eigenen Inhalte den spezifischen Wünschen entsprechend offenzulegen und zu schützen, gibt es verschiedene Lizenzmodelle. Im folgenden Abschnitt wird das weltweit am häufigsten genutzte Lizenzmodell creative commons erläutert. Dieses ist auch für die Entwicklungszusammenarbeit eine gute Option. Als Tipp: Von den hier aufgeführten Typen hat sich die Entscheidung für Copyleft-Lizenzen wie die Creative-Commons-Lizenz “Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen” bewährt. Sie bieten ein erforderliches Maß an Offenheit, um Informationen wiederverwenden zu können. Gleichzeitig verhindern sie Missbrauch, Veruntreuung und Reprivatisierung gemeinsam erstellter Informationen.

Exkurs

Weiterführende Informationen

 

Die vorhergehenden Abschnitte basieren auf einem Kapitel des Handbuchs “Work the Net (2015): A management guide for existing and emerging formal networks” der GIZ. 

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