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Praxis

Communitys und Netzwerke

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In der Entwicklungszusammenarbeit können Online-Communitys und Netzwerke vielseitig eingesetzt werden: Sie …

  • … fördern Kommunikation und Koordination, um nachhaltige Entwicklung zu erreichen;
  • … wirken als effektive Katalysatoren für den Aufbau von Partnerschaften und Engagement zwischen öffentlichen und privaten Interessensgruppen;
  • … unterstützen gegenseitiges Lernen und Kapazitätsaufbau;
  • … helfen beim Aufbau vertrauensvoller Beziehungen für den Informations- und Wissensaustausch;
  • … bündeln Kompetenzen.

Die folgenden Hilfestellungen zeigen auf, wie innerhalb einer Online-Community ergebnisorientiert zusammengearbeitet werden kann und was dabei zu beachten ist. Die Tipps können auch auf Onlinenetzwerke übertragen werden. Denn auch hier sind Zielsetzung, Rollenverteilung und Aktivierung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausschlaggebend für Erfolg und Misserfolg des Netzwerkes.

Online-Communitys – Management und Nutzen

Community-Management ist Beziehungspflege. Community-Managerinnen und -Manager sind Moderatoren und Moderatorinnen, die die Teilnehmenden einer Community miteinander und mit der Onlineplattform in den Austausch bringen. Ob Blogs, Onlineforen oder Gruppen auf Social-Media-Plattformen, ob interne oder externe Gruppen – es gelten viele Regeln, die genauso wie bei einer Moderation im nichtdigitalen Raum auch Anwendung finden: etwa eine wertschätzende Haltung und ein lösungsorientierter Fokus, um das Miteinander zu gestalten.

Communitys übernehmen sehr unterschiedliche Funktionen zwischen den Teilnehmenden und nach außen, zum Beispiel Agenda-Setting, Lernen, Wissensaustausch, Koordination, Dialog zwischen Akteuren mit unterschiedlichen oder gegensätzlichen Interessen, Kontaktpflege, Standardsetzung, Marktentwicklung oder Fundraising. Sie geben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, ohne hohe formale Hürden und Bindung zusammenzuarbeiten oder auch nur gemeinsame Wahrnehmungen und Optionen auszuloten. Dabei können die Gruppen eher homogen oder eher heterogen sein. Wichtig ist, dass die Teilnehmenden, Ziele und Arbeitsformen zusammenpassen.

Tipps für das Management der Community:

EIN GEMEINSAMES ZIEL

Onlinegruppen brauchen ein gemeinsames Interesse oder Ziel. Den Nutzerinnen und Nutzern sollte klar sein, welchen Nutzen sie vom Engagement in der Community haben – denn in der Regel handelt es sich um ein freiwilliges Engagement.

Das Ziel bestimmt die Größe und Zusammensetzung der Gruppe und auch wie lange diese bestehen soll. Co-kreative Prozesse mit einer höheren Komplexität erfordern kleinere Gruppen, um effektiv arbeiten zu können. Dagegen können weniger intensive Aufgaben sowie Vernetzung und das Teilen von Wissen in größeren Communitys besser gelingen. Abhängig von der Aufgabe ist auch das Maß an Offenheit und Transparenz einer Community zu wählen (wer soll die Posts sehen können?).

ROLLEN VERTEILEN

In großen Online-Communitys gibt es oft mehr als eine Community-Managerin bzw. einen Community-Manager. In Online-Communitys erfolgt Kommunikation meist asynchron. Ebenso können weitere Aufgaben, wie das Moderieren von Subgruppen, oder Administratorenrechte vergeben werden. Auch können einzelne Aufgaben verteilt werden, wie etwa das Begrüßen neuer Mitglieder, Fachleute und Ansprechpersonen für bestimmte Themen, Unterstützung bei IT-Problemen oder Verantwortliche für das Erarbeiten bestimmter Inhalte.

DER TON MACHT DIE MUSIK

Community-Managerinnen und -Manager pflegen oft einen authentischen, offenen und wertschätzenden Umgang im direkten Kontakt mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie achten aber auch darauf, dass die Teilnehmenden untereinander einen angemessenen Ton wählen, weisen bei Verstößen zurecht, löschen bei extremen Verstößen einzelne Posts, entfernen Teilnehmende aus der Gruppe oder bitten entsprechende Administratoren aus der Community, dies zu tun. Dies sollte transparent gehandhabt werden. Welcher Umgang miteinander gepflegt werden soll und was als angemessen gilt, kann die Gruppe unter der Anleitung der Community-Managerin oder des Community-Managers gemeinsam entscheiden. Sie kann beispielsweise eine Netiquette oder ein Manifest für die Nutzung der Online-Community ausarbeiten. Die gemeinsame Erarbeitung erhöht gleichzeitig auch die Identifikation mit der Community.

VERTRAUEN UND KONTAKT

Für die gemeinsame Arbeit in Online-Communitys spielt Vertrauen eine große Rolle – besonders bei sensiblen Themen. Nicht umsonst treffen sich viele Onlinegruppen auch offline, um den Kontakt zu intensivieren. Community-Managerinnen und -Manager können solche Treffen initiieren und unterstützen. Nutzerprofile helfen, sich gegenseitig kennenzulernen und gemeinsame Interessen zu finden. Durch das Vorleben eines offenen, wertschätzenden Umgangs miteinander und durch positives Feedback können Community-Managerinnen und -Manager ihren Teil zur Vertrauensbildung beitragen. Sie haben ein offenes Ohr für die Belange der Gruppe und nutzen das Feedback der Community, um auch ihre eigene Arbeit stetig zu verbessern.

TEILNEHMER UND TEILNEHMERINNEN AKTIVIEREN

Selbst in den besten Online-Communitys nimmt ein großer Teil der Nut- zerinnen und Nutzern nur passiv am Austausch teil. Diese sogenannten “Lurker” posten also nicht aktiv. Durch direkte Ansprache (zum Beispiel durch Nachrichten, die nur für das Community-Management und das jeweilige Mitglied sichtbar sind) können die Community-Managerinnen und -Manager helfen, diese Teilnehmenden (wieder) zu aktivieren. Brauchen sie mehr Orientierung bei der Nutzung der Plattform? Fühlen sie sich nicht ausreichend wertgeschätzt oder fremd? Community-Managerinnen und -Manager können herausfinden, was das jeweilige Mitglied braucht, um sich in die Gemeinschaft einzubringen.

Neben der gemeinsamen Erarbeitung von Ergebnissen kann das Feedback der Gruppe und des Community-Managements (etwa das Beantworten von Fragen anderer Teilnehmender) eine wichtige Rolle spielen. Weitere Anreize zur aktiven Teilnahme können durch Gamification-Aspekte gesetzt werden.

BEZIEHUNG ZUR PLATTFORM

Community-Managerinnen und -Manager sind auch Ansprechpersonen
für Teilnehmende, die Orientierung und Unterstützung beim Umgang mit der technischen Plattform benötigen. Sie können Anfragen entweder selbst beantworten oder weiterleiten und deren Beantwortung nachhalten. Gleich- zeitig sind sie Ansprechpersonen für die Plattformbetreiber und geben das Feedback aus der Community – etwa technische Anliegen oder Nutzungsstatistiken – weiter. Je nach Zielen, Aufgaben und Bedürfnissen der Community muss die Plattform unterschiedliche Arbeitsformen beachten und diese eventuell in den Features berücksichtigen. Zum Beispiel Subcommunitys oder Foren, synchronisierbare Termine oder Skype-Verbindungen.

WACHSTUM

Ist das Wachstum der Community gewünscht, kann das Community-Management auch Rollen bei der Bewerbung der Communitys übernehmen und zum Beispiel als Botschafter und Botschafterin agieren. Dies ist oft auf Social-Media-Kanälen der Fall.