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Praxis

Drohnen

© GIZ

Auf einen Blick

Kaum eine andere Technologie hat in den letzten Jahren für mehr ambivalente Schlagzeilen gesorgt als Drohnen. In verheißungsvollen Zukunftsbildern kreisen sie als Paketzusteller über den Dächern der Metropolen, spüren in Krisenregionen Landminen auf oder liefern Medikamente in entlegene Gebiete. Doch als Waffe eingesetzt geraten Drohnen schnell zum dystopischen Stilmittel par excellence. Und das nicht ganz unberechtigt, wie die Erfahrungen aus Konflikten der jüngeren Vergangenheit beweisen. Sie bringen das Schlachtfeld auf den Computer-Monitor, den Krieg per Knopfdruck und Joystick. So verkürzt die Szenarien an dieser Stelle auch sein mögen, sie zeichnen den groben Rahmen dessen, was mit Drohnen möglich ist. Anders ausgedrückt, Drohnen können sowohl Helfer als auch tödliche Waffe sein.

Per Definition ist eine Drohne ein unbemanntes Fahrzeug, das entweder eigenständig oder ferngesteuert operiert – ob auf Land, im Wasser oder in der Luft. Im allgemeinen Sprachgebrauch denken wir jedoch meist an “fliegende Roboter”, sogenannte Unmanned Aerial Vehicles (UAVs).

Heutige Drohnen funktionieren häufig nach dem technischen Prinzip eines Quadrocopters: Vier rotierende Propeller heben die Drohne in die Luft, während die Rotationsgeschwindigkeit die Flughöhe bestimmt. Bewegen sich mindestens zwei Propeller mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, dreht sich das Fluggerät nach links oder rechts. Drohnen-Piloten und -Pilotinnen steuern und kommunizieren mit ihren Drohnen in der Regel per Funk oder Wi-Fi.

Aufgrund ihrer universellen Fähigkeiten unterstützen Drohnen mittlerweile in unterschiedlichen Kontexten der EZ. Drei übergeordnete Einsatzbereiche lassen sich unterscheiden:

  1. Beobachtung und Überwachung. Die technischen Erweiterungen für Drohnen sind vielfältig. Ausgestattet mit hochauflösenden Kameras liefern sie professionelle Bildaufnahmen aus der Vogelperspektive; mit spezieller Sensor- und Infrarottechnik orten sie Erdbebenopfer, vermessen Landschaften und erstellen exakte 3D-Modelle. In Echtzeit überwachen Drohnen Küsten- oder Naturschutzgebiete. Sie liefern Daten, die auf bevorstehende Fluten und Stürme hinweisen und erkennen, wenn illegale Abholzungen stattfinden.
  2. Transport. Drohnen gelangen in Windeseile in entlegene Regionen – im Gepäck haben sie Notfallmedizin, Impfstoffe oder Blutkonserven. Per Luftpost lässt sich auf diese Weise mangelhafte oder gar fehlende Infrastruktur überwinden.
  3. Werkzeug. In der Landwirtschaft helfen Drohnen nicht nur bei der Analyse von Pflanzenkrankheiten, sondern bringen auch Nützlinge aus und versprühen Pflanzenschutzmittel. Perspektivisch könnten Drohnen großflächig zur Wiederaufforstung beitragen, indem sie Kapseln mit Samen in den Boden schießen.

Technische Herausforderungen

Einige technische Aspekte begrenzen gegenwärtig die potentiellen Möglichkeiten von Drohneneinsätzen. Allen voran sind das die maximale Flugdauer (ca. eine Stunde) sowie die maximale Nutzlast (bzgl. Volumen und Gewicht). Die beiden Faktoren setzen der Anzahl und der Art der Transportgüter relativ enge Grenzen. Eine andere Herausforderung ist die Steuerung der Drohnen, die heutzutage meist über Funk oder WiFi erfolgt. Sollen Drohnen flächendeckend und in großer Anzahl eingesetzt werden, müssen hier in Zukunft andere Wege gefunden werden. Eine vielversprechende Möglichkeit könnte die Steuerung über die Sprachkanäle des Mobilfunknetzes sein, wie deutsche Wissenschaftler unlängst herausgefunden haben.

Drohnen tragen an vielen Stellen zu entwicklungspolitischen Vorhaben bei. Sie haben das Potential den Wirkungsgrad einer Lösung zu erhöhen, indem sie Zeit sparen und Effizienz steigern. Gleichzeitig können Drohnen immer nur Teil einer Gesamtstrategie zur Lösung eines Problems sein. Das zeigte sich etwa beim Pilotprojekt Deliver Future II in Malawi, bei dem Notfall-Medikamente per Drohne an schwer zugängliche Orte geliefert wurden. Hier stellte sich nämlich heraus, dass nicht die technische Lösung alleine, sondern vor allem auch das explizit für das Projekt abgestellte Personal eine wichtige Rolle für den Erfolg spielte. Denn nun stand neben der technischen Lösung auch zusätzliche Zeit und Arbeitskraft für medizinische Notfallversorgung zur Verfügung, die vorher nicht vorhanden waren. Um Drohnen sinnvoll und effizient in entwicklungspolitischen Zusammenhängen einzusetzen, sollten demnach stets die Kontextbedingungen mitgedacht und gegebenenfalls verbessert werden. Im Zusammenhang mit der Medizinversorgung in Malawi fallen darunter auch der bürokratische Ablauf sowie die medizinische Logistik in den Krankenhäusern.

Datenschutz als Herausforderung

Der schnelle technische Fortschritt im Bereich von Drohnen und ihre teils invasiven Einsatzmöglichkeiten machen es besonders wichtig, dass sie einem verantwortungsbewussten Umgang unterliegen. Es braucht regulative Konzepte und öffentliche Debatten dazu, wie mit mit Fragen des Datenschutzes und der Privatsphäre umzugehen ist. Das gilt insbesondere dann, wenn Drohnen Bild- und Videoaufnahmen von Personen machen, die weder eingewilligt haben noch eine Chance haben, dies zu verhindern. Denn so viel ist klar: Drohnen eignen sich hervorragend als Überwachungsinstrumente und können schnell als Machtmittel missbraucht werden. Kritische Stimmen verweisen gar auf die Gefahr, dass vor allem in Afrika die kriegerische Seite von Drohnen zum Vorschein kommen könnte. Um das zu verhindern, sollten die Entwicklungen genau verfolgt und wissenschaftlich begleitet werden.

Aktueller Stand

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist Auftraggeber von Pilotprojekten und Vorhaben, die Drohnen für eine bessere medizinische Versorgung und den Umweltschutz nutzen:

  • Im Rahmen des Pilotprojekts Deliver Future lieferten Drohnen in Tansania und Malawi Arzneimittel und medizinische Produkte an abgelegene Gesundheitszentren. Zu den Projektpartnern gehören die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), das Logistikunternehmen DHL, der Drohnenhersteller Wingcopter sowie das Kinderhilfswerk UNICEF. Letzteres plant in Malawi nun den Aufbau einer Infrastruktur für die Drohnenindustrie. Zudem soll eine afrikanische Akademie für Drohnen- und Datentechnologie entstehen.

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