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Digitalstrategie

Digitale Gräben

© BMZ

Auf einen Blick

Die digitale Kluft (Englisch: digital divide) bezeichnet die Ungleichheit in Bezug auf Zugang und Nutzungsmöglichkeiten von digitalen Technologien. 3,9 Milliarden Menschen – und damit über die Hälfte der Weltbevölkerung – haben keinen Zugang zum Internet. In Afrika sind es gar nur 31,2 Prozent der Menschen. Um die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung umzusetzen, müssen gleiche Chancen für alle geschaffen werden – gerade auch im digitalen Zeitalter. Das BMZ setzt sich dafür ein, marginalisierten Gruppen die digitale Transformation zu ermöglichen und dadurch die bestehende globale digitale Kluft zu schließen.

Digitale Gräben schließen

Das übergreifende Prinzip “Niemanden zurücklassen” der Agenda 2030 gilt auch in der digitalen Welt. Das BMZ setzt sich global für eine gleichberechtigte Digitalisierung ein, die auch benachteiligten Bevölkerungsgruppen erschwinglichen, verlässlichen, sicheren Zugang bietet und die bestehenden Digitalen Klüfte (“digital divides”) überwindet.

Insgesamt können typischerweise vier Gründe identifiziert und unterschieden werden, warum Menschen das Internet nicht nutzen bzw. nicht nutzen können:

  1. Zugang: Fehlender technischer Zugang zu IKT
  2. Erschwinglichkeit: Hohe Kosten für den Zugang zu IKT
  3. Fähigkeiten: Fehlendes Anwendungswissen / eSkills
  4. Interesse: Fehlende adäquate Inhalte (- auf bestimmten Sprachen), fehlendes Bewusstsein bzgl. des Mehrwertes den das Internet bietet

 

Maßnahmen des BMZ

Entsprechend trifft das BMZ diverse Maßnahmen, um die digitalen Klüfte zu verringern. Gemeinsam mit Partnern aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft identifiziert die Bundesregierung im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit solche Technologie- und Innovationsansätze in Entwicklungs- und Schwellenländern, die einen Beitrag zur Überwindung der Digitalen Kluft leisten. Beispielsweise unterstützt das BMZ seit 2015 die Africa Code Week, eine Initiative, die das Ziel hat, digitale Kompetenzen und Programmierkenntnisse bei Kindern und Jugendlichen zu fördern. Mit der Unterstützung des BMZ liegt die Teilnehmerquote bei fast 50 Prozent Mädchen und 50 Prozent Jungen .

Im Marshallplan für Afrika werden die Chancen, die die Digitalisierung in allen Lebensbereichen mit sich bringt, herausgestellt. Konkret wird daraus die Aufgabe abgeleitet, “digitale Infrastrukturen aufzubauen und in die Fähigkeiten der Menschen zu investieren”, denn ohne erschwingliche digitale Infrastruktur ist digitale Entwicklung kaum möglich. Um dies zu ändern investierte das BMZ bereits in Breitbandkabel und kosteneffiziente Netzinfrastruktur, wie z. B. die Verlegung des “East Africa Submarine Cable System (EAS-Sy)“. Durch diese Unterstützung seitens der deutschen EZ haben inzwischen bis zu 250 Millionen Menschen erstmalig schneller und kostengünstiger Zugang zum Internet. 

Die Initiative “All Africa Digital Economy Moonshot #DigitalAfrica” der Weltbank wurde 2018 gestartet und verfolgt das Ziel, “jedes Individuum, jedes Unternehmen und jede Regierung Afrikas bis 2030 digital zu befähigen”. Durch eine koordinierte, panafrikanische Initiative sollen alle Länder des Kontinents gemeinsam mit Entwicklungspartnern und dem Privatsektor relevante Regierungsprogramme und Maßnahmen aufsetzen, die als Katalysator für die digitale Transformation Afrikas dienen. Die Bundesrepublik engagiert sich in der Initiative durch seine G7-Beiträge, politisches Engagement und sowie Führung in der Förderung von digitalen Projekten für den afrikanischen Kontinent. Das digitale Leuchtturmvorhaben “Africa Cloud” ermöglicht durch die e-Learning Plattform atingi, dass afrikanische Nutzerinnen und Nutzer durch innovative digitale Wissens- und Lernangebote für die digitalen Jobs der Zukunft qualifiziert werden. 

 

Maßnahmen für Geschlechtergerechtigkeit 

Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist explizites Ziel der deutschen EZ. Dazu hat sich das BMZ einem menschenrechtsbasierten Ansatz verpflichtet. Das übersektorale Konzept zur Gleichberechtigung der Geschlechter in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (2014) ist eine verbindliche Vorgabe für die Gestaltung der deutschen EZ durch das BMZ und die Durchführungsorganisationen und legt die Grundlagen für das Engagement fest. Die Durchführungsorganisationen der deutschen staatlichen EZ führen systematische Prüfungen geplanter Vorhaben auf mögliche nicht-intendierte negative Wirkungen sowie Potenziale zur Förderung der Gleichberechtigung der Geschlechter durch. So werden auch neue Digitalisierungsprojekte im Rahmen der Ex-ante Projektprüfung einer Genderanalyse unterzogen, in deren Rahmen sowohl die positiven Genderpotenziale, als auch Genderrisiken (negative Genderwirkungen) analysiert und ggfs. entsprechende Gegen- bzw. Kompensationsmaßnahmen identifiziert werden 

Um Stereotypen entgegenzuwirken und Frauen und Mädchen weltweit zu zeigen, welche Potentiale sie in der IKT-Branche erwarten, fördert das BMZ weibliche Vorbilder aus der Tech-Branche. Frauen, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben, sind eine Inspiration für junge Frauen und Mädchen. Sogenannte MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) und digitale Berufe können so von ihnen für sich entdeckt werden.  

Darüber hinaus setzt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) derzeit 58 laufende Maßnahmen mit Digitalisierungsbezug, die Gleichberechtigung der Geschlechter als Haupt- oder Nebenziel haben, im Auftrag der Bundesregierung um. Dies umfasst beispielsweise Maßnahmen, bei denen der Einsatz innovativer digitaler Technologien dazu beiträgt, dass Mädchen und Frauen einen verbesserten, gleichberechtigten Zugang zu wesentlichen Gesundheitsleistungen erlangen; die Förderung von Mädchen und Frauen im Rahmen von Ausbildungsangeboten mit IKT-Komponenten; oder die Bereitstellung von Mikrofinanzleistungen für arme Haushalte, insbesondere Frauen, durch Mobile Banking. 

 

#eSkills4Girls 

Im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 hat das BMZ die #eSkills4Girls Initiative ins Leben gerufen. Die Initiative, die Projekte in Höhe von acht Millionen Euro in Kamerun, Mosambik, Ghana und Ruanda fördert, hat sich zum Ziel gesetzt, Bildungs- und Beschäftigungsperspektiven von Mädchen und Frauen in einer immer stärker digitalisierten Welt zu fördern.  

Um die politischen Vereinbarungen in die Praxis zu übertragen, setzt das BMZ im Rahmen von #eSkills4Girls gemeinsam mit Partnern aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft 14 Maßnahmen zur Förderung digitaler Kompetenzen von Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern um, wie z. B.: 

  • Förderung von weiblichen Vorbildern aus der Tech-Branche (siehe “Women in Tech”) 
  • Netzwerk zur Unterstützung des Lernens zwischen Tech-Unternehmerinnen 
  • Strategische Partnerschaften mit der Wirtschaft zur Förderung lokaler Innovation 
  • Online-Plattform zur Förderung des Wissensaustauschs 
  • Durchführung von #eSkills4Girls Projekten (in z. B. Kamerun, Mozambique, Südafrika, Ruanda) 
  • Engagement in der Multi-Akteurs-Initiative EQUALS – Förderung der Gleichberechtigung der Geschlechter im digitalen ZeitalterMit dem EQUALS Digital Skills Fund werden Basisinitiativen bei der Skalierung ihrer Projekte zur Förderung digitaler Kompetenzen von Frauen und Mädchen unterstützt. Das BMZ fördert das EQUALS Sekretariat und den EQUALS Digital Skills Fund derzeit mit insgesamt 400.000 Euro. 
  • Unterstützung der Africa Code Week, einer Initiative zur Förderung von Programmierkenntnissen. 2018 wurden im Rahmen dieser Initiative bspw. 20 Workshops zur Vermittlung digitaler Kompetenzen an Frauen und Mädchen durchgeführt. 

 

Woman in Tech

Vor allem in der Tech-Branche sind Frauen sehr stark unterrepräsentiert: 24 Prozent aller Jobs in der Branche sind von Frauen besetzt, was zur Folge hat, dass es an weiblichen Vorbildern fehlt, die vor allem junge Mädchen und Frauen bestärken, in dieser Branche Fuß zu fassen. Das Buchprojekt Women in Tech zeigt, dass Frauen weltweit in der Tech-Szene bestehende Hindernisse und soziale Zwänge erfolgreich aufgebrochen. 30 einzigartige Frauen aus 22 Ländern wurden von einem Autorinnen-Kollektiv und zwei talentierten Illustratorinnen portraitiert. Das Ziel ist es, die Herausforderungen, die sich für Frauen ergeben auf die politische Agenda zu setzen und dem Thema eine größere öffentliche Sichtbarkeit zu geben. Die Organisation Worldreader hat das Buch Women in Tech digital aufbereitet und die Geschichten von Frauen aus der Tech-Branche in kleine Kurzgeschichten übersetzt, die weltweit durch die Worldreader App Mädchen und Frauen inspirieren. 

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