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Blockchain-Technologien in der Rohstoffindustrie

Auf einen Blick

Der Rohstoffsektor stellt in Bezug auf die Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs) eine besondere Herausforderung dar. Sowohl der Groß- wie auch der Kleinbergbau stehen in Bezug auf ihre soziale und ökologische Nachhaltigkeit in der Kritik: Rohstoffförderung in politischen Konfliktregionen, Kinderarbeit, Steuervermeidung und Umweltverschmutzung nehmen in der weltweiten Berichterstattung regelmäßig einen prominenten Platz ein.
Nach dem medialen Hype um Blockchain-Technologien, vor allem um das virtuelle, dezentrale Zahlungsmittel Bitcoin, bemühen sich viele Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sinnvolle Einsatzgebiete für Blockchain zu identifizieren und damit verbunden, richtungsweisende Empfehlungen zum Einsatz dieser Technologie für die Zukunft abzugeben.

In diesem Zusammenhang wurden für den Rohstoffsektor drei mögliche Einsatzgebiete für Blockchain-Anwendungen analysiert: (1) Lizenzvergabe und Verträge, (2) Unternehmensregister und wirtschaftliche Nutznießer sowie (3) Rohstoffhandel und Lieferketten. Vor allem im letzten Themengebiet ‘Rohstoffhandel und Lieferketten’ finden aktuell die meisten Blockchain-Experimente statt. Denn durch die Blockchain könnte die komplette Lieferkette des Rohstoffes vom Bergwerk bis zum Endprodukt nachverfolgt werden. Auch wenn Lieferkettendetails in der Regel nicht preisgegeben werden, kann der Konsument zumindest eine Indikation über die Unbedenklichkeit der Lieferkette bekommen.

Chancen und Risiken

Darüber hinaus haben sich bei der Analyse dieses Sektors zehn generelle Erkenntnisse zu Chancen und Risiken der Blockchain-Technologie ergeben, die weit über den konkreten Anwendungsfall in der Rohstoffindustrie Wirkung entfalten:

  • Blockchain macht Prozesse für Außenstehende transparent – kann aber bei entsprechender Voreinstellung auch das Gegenteil bewirken (z.B. zugangsbeschränkte, private Blockchains von Industriekonsortien)
  • Viele Studien trauen Blockchain zu, Probleme wie Umweltverschmutzung oder Kinderarbeit zu lösen, lassen aber den sozioökonomischen und politischen Kontext außer Acht
  • Es existieren viele Pilotprojekte, allerdings kaum skalierte Lösungen
  • Studien, Folgeabschätzungen und Peer-Reviews (insbesondere zum ökologischen Fußabdruck von Blockchains) fehlen bisher
  • Es ist einfacher, auf Blockchain-Lösungen umzusteigen, wenn die einzuspeisenden Informationen schon digital vorliegen
  • Blockchains sind nur effektiv, wenn alle Stakeholder die Stärken und Schwächen der Technologie verstehen
  • Zu viel Vertrauen in einzelne Blockchain-Anbieter erhöht die Gefahr eines Lock-In Effekts, also einer zu starken Abhängigkeit des Kunden von der Bereitstellung der Blockchain durch den Anbieter. Denn technische Lösungen wie Blockchain werden oft nicht quelloffen zur Verfügung gestellt
  • Die An- oder Abwesenheit von Mittelspersonen kann je nach Anwendungsfall die Effektivität der Blockchain positiv oder negativ beeinflussen. Daher müssen bei jedem Projekt die Stakeholder individuell analysiert werden
  • Es sollten sektorübergreifend Forschungsergebnisse zum bisherigen und potentiellen Einsatz von Blockchain ausgetauscht werden.
  • Der Blockchain-Technologie fehlt es bisher an grundsätzlichen strukturellen Vorgaben, bewährten Verfahren und offenen Standards

Prinzipien

Daraus abgeleitet lassen sich Prinzipien entwickeln, die generell für die weitere Anwendung von Blockchain-Lösungen richtungsweisend sein können:

  • Auf Beteiligung aller Stakeholder ausgelegte und transparente Entscheidungsfindungsstrukturen müssen zur Aufsicht von Blockchain-Lösungen existieren und eingesetzt werden
  • Alle Lösungen müssen aus ethischen Gesichtspunkten geprüft werden
  • Lösungen sollen ausgehend vom Problem und nicht ausgehend von der Technologie entwickelt werden
  • Für jedes Blockchain Projekt sollten ökologische Kosten gegen den Nutzen des Projekts abgewogen werden
  • Projekte sollten an bereits bestehende Initiativen anknüpfen und diese ausbauen
  • Offene Standards und die Interoperabilität der Blockchain sollten bei jedem Projekt berücksichtigt werden. Interoperabilität bezeichnet dabei die mögliche Kommunikation sowie Kombination von verschiedenen Blockchain-Technologien und -Anwendungen. Dies ist wichtig, um technologische Lock-Ins und langfristige Patentierungen von Blockchain Protokollen zu verhindern.
  • Die eingegebenen Daten in die Blockchain müssen inhaltlich und formal korrekt und präzise sein, ansonsten hat diese Technologie keinen Mehrwert (garbage in – garbage out)

Ob Blockchain-Anwendungen zukünftig zur Erreichung der SDGs beitragen können, ist nicht abschließend geklärt. Die in der Studie aufgestellten Prinzipen können jedoch dabei unterstützen sich dieser Frage im Einzelfall anzunähern. Es lohnt es sich also, abseits des Hypes und der hohen Erwartungen, Einsatzgebiete und Herausforderungen realistisch zu bewerten und daraus fundierte Handlungsempfehlungen zu entwickeln.

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